Zwischen Fluss und Schichtung –

die Materialwelt von Lena Katrin Weber

Seit 2021 entwickelt Lena Katrin Weber ihre Malerei aus dem Zusammenspiel von Lehmfarben, natürlichen Pigmenten und Sumpfkalkfarbe. Die Lehmfarben mischt sie selbst aus Lehmpulver, Wasser und natürlichen Farbpigmenten an, gelegentlich ergänzt durch Acrylfarben. Sumpfkalkfarbe setzt zusätzliche glänzende Akzente. Aus der Verbindung dieser Materialien entsteht eine eigenständige Oberflächensprache: Raue und poröse Strukturen treffen auf zarte Partien, matte Flächen auf Bereiche, die das Licht aufnehmen und reflektieren. Farbe erhält in ihren Werken eine spürbare körperliche Präsenz.

Ihre großformatigen Leinwände bearbeitet Weber am Boden. Durch wechselnde Wassermengen beeinflusst sie das Fließverhalten der Farben und verbindet gezielte Eingriffe mit intuitiven Entscheidungen. Kontrollierte und zufällige Verläufe greifen dabei ineinander. In einem vielschichtigen Arbeitsprozess entstehen bis zu fünfzehn Malschichten, deren unterschiedliche, zum Teil unvorhersehbare Trocknungsphasen sich überlagern. Das Trocknen wird damit selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Bildentstehung: Im Zusammenspiel der Schichten bilden sich jene Strukturen und Oberflächeneffekte aus, die den Werken ihren besonderen Charakter verleihen.

 
 

Diese Oberflächen erschließen sich im Wechsel von Licht und Betrachtungswinkel. Je nach Standort treten andere Erhebungen und Vertiefungen hervor, verändern sich Farbnuancen und werden einzelne Glanzpunkte sichtbar. Die Bilder laden dazu ein, sich vor ihnen zu bewegen und den Blick über ihre Strukturen wandern zu lassen. Ihre Vielschichtigkeit wird so unmittelbar erfahrbar; mit längerer Betrachtung treten immer feinere Unterschiede innerhalb der Oberfläche hervor.

In ihrer erdigen, von der Natur geprägten Farbpalette findet Weber den verbindenden Rahmen für diese materiellen Prozesse. Das reduzierte Spektrum lässt die Unterschiede zwischen rauen, porösen, zarten und glänzenden Partien umso deutlicher hervortreten. Mit diesen Farben verbindet die Künstlerin Ruhe, Frieden und Erdung. Sie prägen die zurückhaltende Ausstrahlung ihrer Malerei und verleihen den vielschichtigen Werken ihren meditativen Charakter.